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Schweizer Hochdeutsch: Das mit den Helvetismen drin

Als ich vor 14 Jahren nach Wien zog und dort zum ersten Mal einkaufen ging, verstand ich die Welt buchstäblich nicht mehr. Die Österreicher wollten mir Marillen, Paradeiser und Topfen verkaufen, ganz eindeutig aber lagen Aprikosen, Tomaten und Quark in der Auslage. Ich wunderte mich, hatte ich doch angenommen, dass mir zumindest die Sprache keine Schwierigkeiten machen würde im deutschsprachigen Nachbarland.

So ähnlich müssen sich Deutsche und Österreicher fühlen, wenn sie zum ersten Mal hören, dass ihre Schweizer Freunde den «Velosattel» im «Lavabo» wuschen, «in den Ausgang gingen» und «Poulet» zum «Nachtessen» «grillierten».

Die Schweizer bemühen sich und greifen für Besucher und Freunde aus Deutschland und Österreich auf Hochdeutsch zurück – und werden dann doch nicht verstanden.

Schuld sind die Helvetismen.

Ein Helve-was?

Als Helvetismen werden Wörter und sprachliche Besonderheiten bezeichnet, die nur im Schweizer Hochdeutsch Verwendung finden, jedoch nicht im restlichen deutschen Sprachgebiet.

Nicht mit Helvetismen zu verwechseln sind Ausdrücke und Wörter, die eindeutig der Mundart zuzuordnen sind, also nur im gesprochenen Dialekt verwendet werden. Ein Helvetismus hingegen darf auch in der Schriftsprache verwendet werden, das ist korrektes Deutsch. Auch wenn es ausserhalb der Schweizer Landesgrenzen für Verwunderung sorgt.

Da Deutsch keine homogene Einheit ist, gibt es natürlich auch Austriazismen und Teutonismen und auch die Abgrenzung zwischen Dialektwörtern und Helvetismen ist nicht immer zu 100% klar.

Beispiele für Helvetismen

Einige Wörter, die es nur im Schweizer Hochdeutsch gibt mit ihrer Entsprechung im Deutschen (sorry, die Österreicher lasse ich aussen vor, sie hatten ja schon in der Einleitung ihren Auftritt).

  • der Abwart: der Hausmeister
  • die Baumnuss: die Walnuss
  • der Estrich: der Dachboden
  • das Grümpelturnier: Turnier für Hobbyfussballmannschaften
  • der Kabis: der Weisskohl
  • kremieren: einäschern
  • das Natel: das Mobiltelefon
  • parkieren: parken
  • der Sauglattismus: Spasskultur (naja, kann man eigentlich nicht wirklich übersetzen)

Mehr davon gibt’s im Duden «Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz».

Warum ich Helvetismen mag

Als Ethnologin und Sprachfetischistin weiss ich: Sprache ist auch Teil der Identität. Insofern gehören die mittlerweile merkwürdig anmutenden Helvetismen zur Schweiz wie das Matterhorn und sagen viel über den Schweizer Charakter und die Geschichte des Landes aus. Vielen Schweizern fällt es schwer, «echtes» Hochdeutsch zu sprechen und sie bevorzugen Schwizerdütsch. Mir geht es da nicht anders. Wenn ich aber kräftig mit Helvetismen würzen darf, fühlt es sich doch ein wenig vertrauter an.

Als Texterin ist mir zudem der Fokus auf die Zielgruppe sehr wichtig: Alles was ich schreibe, sollen meine Leser gerne lesen und es verstehen. Mein Ziel ist es immer, die Leser direkt anzusprechen und bei ihren Bedürfnissen abzuholen. Am besten geht das natürlich, wenn ich ihre Sprache spreche. Und da ich hauptsächlich/ausschliesslich für Schweizer Kunden arbeite, ist Schweizer Hochdeutsch einfach die richtige Wahl.

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, schon witzig mit den Helvetismen. Ich wohne in Konstanz und eine ehemalige Kollegin war mal bei Migros in Kreuzlingen einkaufen. Es war im Mai. Sie wunderte sich über mehrere Schilder auf denen stand: „Auffahrt geschlossen“. Dabei kam sie ohne Problem ins Parkhaus. Wie sie dann später erfuhr, hatte es auch gar nichts mit Parkplätzen oder Parkhäusern zu tun. Es war nur ein Hinweis, dass die Migros an Christi Himmelfahrt geschlossen hat.

    Was ich auch super finde, ist das Wort „poschte“. Anfangs dachte ich immer, die Person geht zum Postamt 🙂

    LG Daniela

    Antworten

    • Liebe Daniela, das ist wirklich ein witziges Missverständnis, das da wegen der Helvetismen entstand 😉

      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüsse. Karin

      Antworten

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